Benedikt Pointner, Geschäftsführer Bitcomp GmbH

Interview mit Benedikt Pointner, Geschäftsführer der Bitcomp GmbH, zur Zukunft der forstlichen Planung

Kann man als Waldbesitzer überhaupt noch mit Wald Geld verdienen?

Jeder Waldbesitzer hat das Recht mit seinem Besitz Geld zu verdienen. Die Frage, die sich in der Zukunft stellt, ist jedoch: In welcher Form? Es geht nicht nur um den Holzverkauf und die Waldbewirtschaftung an sich. Es geht um die Tatsache, dass sein Besitz gesellschaftliche Bedeutung hat. Dies sollte in Zukunft von der Gesellschaft entlohnt werden.

Warum sollte die Gesellschaft das tun?

Weil Wald grundsätzlich ein wichtiges Medium ist, um CO2 zu speichern. Das ist im Interesse der Gesellschaft. Im Sinne einer Gemeinwohlvergütung steht aus meiner Sicht in Zukunft jedem Waldbesitzer eine faire Entlohnung zu. Diese kann sich zusammensetzen aus dem Rohstoff Holz sowie einer Vergütung, die der Tatsache Rechnung trägt, dass sein Wald Wasser speichert, Luft reinigt, als Erholungsfläche zur Verfügung steht und auch CO2 aus der Atmosphäre nimmt.

Wie beeinflusst das in Zukunft die forstliche Planung?

Die klassische forstliche Planung stößt im Moment an ihre Grenzen. Sie plant in Zyklen über zehn Jahre und berücksichtigt ausschließlich die menschlichen, also geplante Eingriffe. Ungeplante Einflüsse wie Sturmschäden, Trockenheit und Käferbefall werden kaum berücksichtigt. Wir erleben aber gerade, dass diese von der Natur verursachten Eingriffe viel häufiger und stärker sind als die geplanten. Der Waldbesitzer kann nur noch auf diese äußeren Einflüsse reagieren. Ein geplanter Eingriff ist nicht mehr möglich, weil sonst keine nachhaltige Forstwirtschaft mehr stattfinden kann. Der Wald würde übernutzt werden. Eine geplante Forstwirtschaft, wie wir sie kennen, lässt sich nicht mehr betreiben. Das heißt wir brauchen andere Planungsmethoden und wir brauchen andere Planungszyklen. Planungszyklen von zehn Jahren sind überfällig. Es wird in der Zukunft eine rollierende Planung in engen Intervallen stattfinden müssen.

Welche zukünftigen Planungsmethoden bieten sich an

Man hat in den letzten Jahren sehr viel ausprobiert mit neuartigen Messmethoden auf der Fläche. Die Drohnentechnologie ist z.B. intensiv erforscht worden. Drohnen machen allerdings nur Sinn auf sehr kleinen Flächen, da die Datenerfassung sehr aufwändig ist. Eine viel effizientere Methode ist die Nutzung von Satellitendaten, die in hoher Frequenz zur Verfügung gestellt werden. Dazu hat die ESA ein Satellitenprogramm aufgelegt, die sogenannten Sentinel Satelliten. Es gibt unter anderem einen Radarsatelliten (Sentinel 1) und einen optischen Satelliten (Sentinel 2), die uns theoretisch einmal wöchentlich in unterschiedlicher Aufnahmequalität sehr wertvolle Informationen liefern können. Auf dieser Basis lassen sich in Zukunft auf der gesamten Fläche, nicht nur auf kleinen Parzellen, die für eine forstliche Planung notwendigen Daten erfassen. Bitcomp ist zusammen mit der ESA gerade dabei, diese Verfahren weiterzuentwickeln und mit Hilfe von künstlicher Intelligenz die Schärfe dieser Daten über die Zeit zu verbessern.

Wie kann die Digitalisierung Waldbesitzer und Förster bei der Aufgabe unterstützen, klimastabile Wälder zu schaffen und zu erhalten?

Die Digitalisierung bietet große Vorteile. Durch moderne Satellitentechnik ist man in der Lage, großflächig den Gesundheitszustand der Wälder zu überwachen. Man kann bis zum großen Maßstab jedes einzelne Flurstück betrachten. Jeder Waldbesitzer sieht individuell den Status seines Waldes. Zudem beinhaltet Digitalisierung modernste Kommunikationstechniken, so dass der Waldbesitzer sehr unmittelbar und direkt mit seinem Förster oder seiner forstlichen Vereinigung verbunden ist und bidirektional kommunizieren kann. So kann der Waldbesitzer etwa Informationen zu seinem Wald direkt absetzen und mit dem Beratungsförster das weitere Vorgehen diskutieren. Dies erleichtert die Kommunikation für alle Seiten erheblich.

Wie erfolgt die forstliche Planung bei großen Waldbesitzern – kann man davon als privater Waldbesitzer lernen?

Die großen Waldbesitzer, vor allem die Landesforstverwaltungen, sind dabei in die Digitalisierung einzusteigen. Man möchte neuartige Planungsmethoden entwickeln, die es erlauben, kurzfristig auf Ereignisse zu reagieren. Man verlässt mehr und mehr die 10jährigen Planungszyklen. Dabei sind natürlich Satellitentechnik, aber auch Luftbilder (Luftaufnahmen aus dem Flugzeug) ganz wichtig.

Diese Luftbilder sind sehr teuer und für einen privaten Waldbesitzer kaum erschwinglich. Der satellitenbasierte Ansatz auf großer Fläche ist deshalb für die privaten Waldbesitzer hoch interessant. Er ist erschwinglich, aktuell und in jedem Fall eine Planungsmethode, die im Moment für die Besitzer kleiner Waldflächen nicht verfügbar ist. Mit der WoodsApp werden diese Planungsmethoden, an denen die Landesforstverwaltungen gerade arbeiten, für die privaten Waldbesitzer und die forstlichen Zusammenschlüsse verfügbar gemacht.

Habe ich als kleiner Waldbesitzer überhaupt das Know-how für eine forstliche Planung oder benötige ich dafür Spezialisten?

Wenn man nur eine kleine Waldfläche besitzt, ist eine stabile Planung kaum möglich. Aber in einem Zusammenschluss wie einer Waldbesitzervereinigung (WBV) macht diese Planung sehr viel Sinn. Sie kann dann eben Flurstücks übergreifend auf großen Flächen stattfinden. Deshalb ist auch die Verbindung zu einem forstlichen Zusammenschluss für private Waldbesitzer sehr wichtig und zielführend. Erschwerend kommt hinzu, dass immer mehr Waldbesitzer weit weg von ihrem Wald leben und sie selber kein Wissen und Erfahrung haben, wie man den Wald bewirtschaftet. Für diese Personen macht die Zusammenarbeit mit einem Forstlichen Zusammenschluss sehr viel Sinn.